Wunderst Du Dich auch manchmal, warum es Tage gibt, an denen Du Eins bist mit Deinem Pferd und alles klappt und andere Tage, an denen die Kommunikation mit Deinem Pferd nicht so gut läuft? Woran mag das liegen?
Für den Umgang mit unserem Pferd – wir sprechen hier, je nach Größe, von mindestens 500 kg Lebendgewicht – ist es wichtig, dass wir das Pferd verstehen und einschätzen können, und das Pferd uns.
Wie kommunizieren Pferde untereinander?
Bei Wildpferden wird beobachtet, dass Pferde vor allem durch Gestik, Mimik und Körperstellung, also mit ihrer Körpersprache kommunizieren. Gerade auf größere Entfernungen kommen auch Lautäußerungen hinzu. Dabei erfolgen die Zeichen abgestuft. Wenn eine Situation brenzlig wird, werden die Signale verstärkt.
Neben diesen eindeutigen, gut erkennbaren Ausdrücken, den sog. Makroausdrücken, zeigen Pferde auch Mikroausdrücke. Darunter versteht man kurze unbewusste Gesichtsausdrücke, die bisher nur beim Menschen bekannt waren. Im vergangenen Jahr wurde hierzu eine wissenschaftliche Studie von Claude Tomberg von der Universität Brüssel veröffentlicht. Die Wissenschaftler um Claude Tomberg gehen davon aus, dass der Gesichtsausdruck eine Rolle bei sozialen Interaktionen spielt.
Eine weitere Form der Kommunikation ist die Telepathie (lies hierzu mehr unter Tierkommunikation oder in meinem vorherigen Blogbeitrag).
Jetzt sagst Du Dir vielleicht, Kommunikation bei Wildpferden – schön und gut – mein Pferd ist aber kein Wildpferd.
Doch die Sprache der Pferde ändert sich nicht in Abhängigkeit von ihrem Lebensplatz. Sie bleibt immer gleich. Wir dürfen sie lernen wie eine Fremdsprache und die Pferde lernen unsere Kommunikationsarten.
Wie kommunizieren wir Menschen mit unseren Pferden?
Wir Menschen setzen die Sprache ein, mal leise, mal lauter. Wir vermitteln den Pferden mit unserer (auch unbewussten) Körpersprache, durch Gesten und natürlich durch die unterschiedlichen Hilfen beim Reiten und am Boden, was wir von ihnen wünschen. Wir Menschen erwarten, dass die Pferde lernen, uns zu verstehen. Das tun sie auch.
Die Pferde lernen ab ihrem Fohlenalter je nach Haltungsform und Ausbildungsstand, was wir Menschen von ihnen möchten, auch durch Beobachtung ihrer Mutter oder anderer Pferde. Pferde beobachten ihre Artgenossen, wie sie in bestimmten Situationen reagieren – auch in Bezug auf uns Menschen.
Neben den eindeutigen Signalen, die wir den Pferden geben, nehmen Pferde auch unsere Stimmungen und Emotionen wahr und reagieren entsprechend. Wir bringen meistens das, was wir am Tag erlebt haben, mit in den Stall.
Ich kann mich noch erinnern, dass ich einmal sehr nervös war (damals hatte ich Probleme mit meiner Schilddrüse). Diese Nervosität hat sich beim Reiten auf das Pferd übertragen und ich hatte in der Stunde Mühe, es am Durchgehen zu hindern.
Warum reagiert Dein Pferd nicht wie gewünscht?
Da gibt es verschiedene Antwortmöglichkeiten und keine hat damit zu tun, dass Dein Pferd Dich ärgern möchte und keine Lust dazu hat.
Als erstes darf man sich immer selber fragen, war mein Signal eindeutig? Hat mein Pferd mich überhaupt verstanden? Oder ist das, was ich von meinem Pferd in diesem Moment verlange, gerade nicht gut für es bzw. kann es das gerade nicht ausführen?
Akzeptiert mich mein Pferd als Leittier?
Pferde als Fluchttiere und Herdentiere sind darauf angewiesen, dass sie sich auf die anderen Herdenmitglieder verlassen können. Leittiere geben ihnen Sicherheit. Je nach Haltungsform sind wir ihre Herde.
Schwierig wird es, wenn uns unser Pferd, warum auch immer, nicht für kompetent hält und deshalb die Führung übernimmt.
Außerdem spielt beim Umgang mit unserem Pferd immer mit, was das Pferd erlebt hat, bevor es zu uns kam. Wie gehen wir mit ihm um?
Bestimmt kennst Du z.B. auch die sogenannten Grobmotoriker unter den Pferden. Doch wie sind sie das geworden? Es kann sein, dass sie spiegeln, wie Menschen mit ihnen umgegangen sind oder noch umgehen. Wird im Stall viel gebrüllt? Wird das Pferd z.B. beim Putzen bewegt, indem es mit Kraft zur Seite geschoben wird? Dann wird es auch uns Menschen gegenüber gröbere Bewegungen zeigen.
Von Natur aus reagieren Pferde z.B. sehr sensibel auf kleinste Berührungen. Dies sieht man an dem Zucken der Haut, wenn sich Fliegen dort niederlassen. Dementsprechend sanft können wir unser Pferd auch loben. Intensives Klopfen kann einem Pferd als Strafe vorkommen, da es schmerzhaft sein kann.
Mein ehemaliger Reitlehrer, ein Reitlehrer alter Schule, hat uns immer gesagt, wir sollen unser Pferd in der Mähne kraulen beim Reiten um es zu Loben.
Auch ein ausgesprochenes Lob mit ruhiger normaler Stimmlage kommt beim Pferd gut an.
Das Verhalten der Pferde ist auch von ihrer Umgebung abhängig
Was es schwierig macht ist, dass unsere Pferde sich ihre Familien nicht aussuchen können, sondern die Herden/Weidepartner oder Boxennachbarn durch uns Menschen bestimmt werden. Du als Pferdehalterin oder Pferdehalter hast oft noch nicht einmal Einfluss darauf, weil Du Einstellerin bzw. Einsteller in einem Stall bist.
Fühlt sich ein Pferd längere Zeit nicht wohl in seiner Umgebung, kann dies zu Verhaltensauffälligkeiten, Stresssymptome wie Magenprobleme oder weitere gesundheitliche Themen führen.
Bei freilebenden Herden können Pferde sich ihre Familienverbände aussuchen und auch die Herden wechseln.
Wer gerne tiefer in die Themen Pferdesprache und Verhalten eintauchen möchte, dem möchte ich sowohl die Videos von Dr. Maksida Vogt auf Youtube als auch die Bücher von Marc Lubetzki empfehlen. Marc Lubetzki ist Pferdefotograf und besucht immer wieder wild lebende Pferdeherden.
Dr. Maksida Vogt erforscht und filmt die Wildpferde in Bosnien. Sie ist Gründerin von Academia Liberti (AL) und betreibt mit anderen zusammen das AL-Zentrum in Bosnien, wo Pferde in Herden auf riesigen Flächen zusammenleben. In ihren wöchentlichen Videos berichtet sie davon.
Wenn ich Dich bei der Kommunikation mit Deinem Pferd mit einer Tierkommunikation unterstützen kann, kontaktiere mich gerne.